(Übersetzung einer englischen Fassung)

Nach neuen Schätzungen des Pew Research Centers lebten 2017 mindestens 3,9 Millionen nicht-autorisierte Migranten in Europa – möglicherweise aber auch bis zu 4,8 Millionen. Diese Zahlen sind deutlich höher als die entsprechenden Schätzungen des Centers für das Jahr 2014, als zwischen 3,0 Millionen und 3,7 Millionen nicht-autorisierte Migranten in europäischen Ländern wohnhaft waren. Die Veränderung gegenüber dem vorherigen Spitzenwert von 4,1 Millionen bis 5,3 Millionen aus dem Jahr 2016 ist aber eher gering.

Dies stellt die erste Schätzung der Gesamtheit der nicht-autorisierten Migranten in Europa durch das Pew Research Center und die erste umfassende Schätzung für Europa seit zehn Jahren dar. Die neuen Schätzungen beruhen auf Daten aus den 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union und den vier zusätzlichen Ländern der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA): Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz. Unser neuer Bericht zu diesen Erkenntnissen stützt sich auf die 15-jährigen Erfahrungen des Centers bei der Erstellung von Schätzungen der Gesamtzahl nicht-autorisierter Migranten in den USA.

Selbst bei Berücksichtigung des Anstiegs des Anteils an nicht-autorisierten Migranten in den EU-EFTA-Ländern seit 2014 machte diese Migrantengruppe im Jahr 2017 weniger als 1 % der Gesamtbevölkerung Europas aus, die sich auf über 500 Millionen Menschen beläuft. Unter den Migranten in Europa befanden sich viermal so viele autorisierte Migranten aus Ländern außerhalb der EU-EFTA wie nicht-autorisierte Migranten.

In jedem Land der EU-EFTA gibt es nicht-autorisierte Migranten; 2017 befand sich der größte Anteil dieser Bevölkerung – etwa die Hälfte der Gesamtzahl für Europa – jedoch in Deutschland und Großbritannien. Weiterhin lebten bedeutende Anteile dieser Bevölkerung in Italien und Frankreich. Insgesamt lebten in diesen vier Top-Ländern mehr als zwei Drittel (70 %) der nicht-autorisierten Migranten in Europa.

Der kürzliche Anstieg des langjährigen Anteils an nicht-autorisierten Migranten aus Ländern außerhalb der EU und EFTA ist vornehmlich auf die Zunahme von Asylbewerbern zurückzuführen, die größtenteils im Jahr 2015 ankamen. Laut Schätzungen des Centers machte die Zahl der Asylbewerber in Europa, die auf eine Entscheidung über ihren Antrag warteten, im Jahr 2017 etwa ein Viertel (20 % bis 24 %) der Gesamtheit der nicht-autorisierten Migranten aus.

„Die plötzliche Zunahme von Asylbewerbern trug in vielen europäischen Ländern zu einer höheren Zahl an nicht-autorisierten Migranten bei“, so Senior Researcher Phillip Connor, der Hauptverfasser des Berichts. „Die Zahl der nicht-autorisierten Migranten beinhaltet aber auch jene, die ihr Aufenthaltsland nach Ablauf ihres Visums nicht verlassen haben oder illegal nach Europa eingereist sind. Viele dieser Menschen sind schon vor Jahren zugewandert.“

Da Asylbewerber, die auf eine Entscheidung warten, eine befristete Aufenthaltserlaubnis besitzen, erstellt das Center auch Schätzungen ohne Berücksichtigung dieser Gruppe. Ohne Asylbewerber, die auf eine Entscheidung über ihren Antrag warten, lebten nach Schätzungen des Centers im Jahr 2017 zwischen 2,9 Millionen und 3,8 Millionen nicht-autorisierte Migranten in Europa. Dies ist eine offensichtliche Zunahme gegenüber den geschätzten 2,4 Millionen bis 3,2 Millionen im Jahr 2014.

Das Center nutzte die besten verfügbaren Daten und Methoden, um die Schätzung für Europa zu erstellen. Dazu zählen auch Methoden, die in den USA und von Forschern in Europa in früheren Projekten verwendet wurden.

Die Ergebnisse sind zur sofortigen Veröffentlichung vorgesehen und hier abrufbar: https://www.pewresearch.org/global/2019/11/13/europes-unauthorized-immigrant-population-peaks-in-2016-then-levels-off/ Weitere Ergebnisse des Berichts:

Die 2017 in Europa wohnhaften nicht-autorisierten Migranten kamen aus den verschiedensten Herkunftsländern. Drei von zehn nicht-autorisierte Migranten stammten aus Ländern aus dem asiatisch-pazifischen Raum, während schätzungsweise 23 % aus europäischen Ländern außerhalb der EU und der EFTA kamen. Etwa 21 % kamen aus Ländern in der Region Naher Osten/Nordafrika. 17 % stammten aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara und 8 % aus Ländern in Süd-, Mittel- und Nordamerika.

Mehr als die Hälfte (56 %) der nicht-autorisierten Migranten in Europa im Jahr 2017 hatte weniger als fünf Jahre dort gelebt. In Deutschland hatten ca. zwei Drittel (66 %) der nicht-autorisierten Migranten weniger als fünf Jahre in dem Land gelebt, während es sich bei nicht-autorisierten Migranten in Großbritannien mit größerer Wahrscheinlichkeit um seit Langem dort ansässige Menschen handelte – weniger als die Hälfte von ihnen (43 %) hatte weniger als fünf Jahre dort gelebt.

Ungefähr zwei Drittel der in Europa wohnhaften nicht-autorisierten Migranten waren 2017 jünger als 35 Jahre (65 %), und etwas mehr als die Hälfte war männlichen Geschlechts (54 %). Mehrheiten der in Deutschland (65 %) und Großbritannien (58 %) lebenden nicht-autorisierten Migranten waren jünger als 35. Auch die Geschlechteranteile waren in Deutschland (60 % männlich) und in Großbritannien (48 % männlich) verschieden.

Für nähere Informationen oder zur Vereinbarung eines Interviewtermins mit den Verfassern der Studie Senior Researcher Phillip Connor, Senior Demographer Jeffrey Passel oder Director of Global Migration and Demography Mark Hugo Lopez wenden Sie sich bitte an Stefan Cornibert (unter +1 202 419 4372 oder scornibert@pewresearch.org).

Dieser neuen Analyse liegt Folgendes bei: